Amarandel hat den Durchblick

Vorwort

 

 

 

„Alle Ding' sind Gift und nichts ohn' Gift; allein die Dosis macht, das ein Ding' kein Gift ist!“

 

Paracelsus  [i]1493-1541

 

 

 

Gift? In einem Buch über Ernährung?

 

 

 

Gerne würde ich darüber schreiben, wie gehaltvoll, gesund und lebenserhaltend unsere heutige Nahrung ist. Es sieht allerdings fast so aus, als sei genau das Gegenteil der Fall.

 

 

 

Die Lebensmittelindustrie ist sehr erfinderisch. Die Supermärkte oder Discounter sind voll mit verlockenden Angeboten. Fast Food ist für viele Menschen Bestandteil der täglichen Mahlzeiten. Schnell eine Flasche Superpower-Saft und keine Pause ist nötig für den Workaholic. Studenten schaffen ihr Pensum oft nur mit Aufputschmitteln. Nachmittags etwas Süßes vom Bäcker nebenan. Schon meint man neue Energie zu gewinnen, für den restlichen Tag. Die tägliche Dosis Fast Food. Die tägliche Dosis Transfette, Glukose-Fruktose Sirup und Getreide. Die Dosis macht das Gift, so würde Paracelsus vermutlich über solcherlei Nahrung sagen.

 

 

 

Was es damit auf sich hat und wie das gemeint ist, erfährst du hier in diesem Buch. Fakten und Erklärungen über den Sinn oder Unsinn von Lebensmittelzusatzstoffen, Zucker, Getreide und mehr können ziemlich langweilig sein.

 

 

 

Deshalb habe ich mich entschieden, Informationen in Geschichten aus meinem Alltag zu verpacken. Eine Co-Autorin namens Amarandel half mir, den Inhalt des Buches unterhaltsam zu gestalten.

 

Ob du vegan lebst oder Allesesser bist, die im Buch enthaltenen Hinweise bieten dir ein breites Wissensspektrum. Du wirst nach dem Lesen wissen, weshalb die Dosis das Gift macht und warum biologisch erzeugte Nahrung besser für dich und deinen Körper ist.

 

Einleitung

 

Nach dem Essen einen höheren Pulsschlag zu haben kann bedeuten, dass du unverträglich auf einen Teil der Nahrung bist. Gleichzeitig erhöhten Puls und schlagartige bleierne Müdigkeit zu haben, ist ein deutliches Zeichen für Unverträglichkeit oder Allergie! Vielleicht geht deine Nase zu oder sie läuft. Bei anderen wiederum äußert sich eine Unverträglichkeit über die Haut oder Lunge. All‘ das zeigt sehr deutlich, dass man sein Essen nicht vertragen hat. Dieses kann von einem einzelnen Bestandteil der Mahlzeit sein oder von mehreren. Es gleicht einem Puzzle herauszufinden, was dich schwächt oder wo die Abwehr deines Körpers laut mit gewissen Alarmglocken schrillt.

 

Die gute Nachricht ist:

 

Du kannst es schaffen, dich ausgewogen und gut zu ernähren, zu mehr Gesundheit zu gelangen, vielleicht abzunehmen oder einfach ein gutes Gefühl nach dem Essen zu haben. Die schlechte Nachricht ist zugleich eine Gute:

 

Du hast es selber in der Hand!

 

Du darfst und kannst nämlich aktiv daran mitarbeiten und benötigst niemand anderen dazu. Wenn dich das Thema interessiert, dann recherchiere selber weiter! Mach‘ dich auf den spannenden Weg herauszufinden, was deinem Körper wirklich gut tut, um fit und abwehrstark zu bleiben und den Herausforderungen des modernen Alltags gewachsen zu sein.

 

In diesem Buch gebe ich zahlreiche Hinweise, die dir auf dem Weg zu deinem persönlichen Seelenfutter helfen können. In den Rezepten wirst du bestimmt das eine oder andere für dich finden. In diesem Sinne überreiche ich dir nun den Zauberstab für deine eigene Küche!

 

Dieses Buch ist kein reines Sachbuch. Die Fakten sind in Geschichten verpackt. Dieses Buch erhebt auch nicht den Anspruch darauf, wissenschaftlich zu sein. Es darf Samen legen.  Was du daraus machst, ob du die Samen gießt, indem du selber weiter recherchierst, ist nicht mehr meine Sache. Natürlich würde ich mich wirklich sehr freuen, wenn dein Interesse geweckt wurde, mehr Informationen zu DEINEM Essen, zu DEINER Nahrung einzuholen.

 

Bewusst habe ich darauf verzichtet, an jedem Abschnitt Textbausteine einzufügen, mit Fakten und Zusammenfassungen. Eine Möglichkeit wäre es, du legst dir einen Notizblock bereit oder ein schönes Büchlein und schreibst dort alles hinein, was du aus diesem Buch gerne erinnern oder erlernen möchtest.

 

Die andere Möglichkeit, die mir hierzu einfällt, geht auf meinen Mann zurück. Besorge dir bunte Marker. Dann überlegst du dir, welche Farben welche Art der Markierung bedeuten soll. Gelb beispielsweise könnte interessant bedeuten,

 

rot: wichtig und grün könnte für merken stehen. Wenn du das Buch dann wieder zur Hand nimmst, hast du gleich deine Erinnerungsmarkierungen vor Augen.

 

Mir persönlich sind diese bunten Post-its zum vorrübergehenden Reinkleben lieber. Dann bleibt das Buch verschont und andere Leser werden nicht unbewusst beeinflusst, von deinen Markierungen. Jeder Mensch liest ja anders, nimmt die Dinge anders auf.

 

Amarandel?

 

Amarandel ist eine Elfe. Sie erschien eines Tages in meinen Gedanken. Manchmal geht meine Fantasie ganz eigene Wege, um langweilige Fakten interessant zu verpacken. Amarandel hat jedenfalls einen bleibenden Eindruck hinterlassen, schau selbst:

Was Amarandel über Pflanzen und unsere Nahrung zu sagen hat:

Bauer Hansen war bereit! Die Ernte stand kurz bevor. Alle Hilfsarbeiter waren da. Die Maschinen standen einsatzfähig im Hof! In zwei Tagen sollte das Wetter gut sein, dann könnte Getreide geerntet werden. Hafer, Roggen und Weizen waren prächtig gewachsen. Landwirt Hansen blickte auf ein gutes Jahr zurück! Er war zufrieden.

Während der Bauer nun seine Mitarbeiter einwies, gab es auf den Feldern ebenfalls viel zu tun. Davon bekamen die Menschen nichts mit. Jede einzelne Pflanze hatte ihre Aufgabe. Sie wussten genau, dass ihre Samen in Kürze geerntet werden würden. Bauer Hansens Ernte waren die Körner. Die Kinder der Pflanzen genau genommen. Das Erbgut.  Sie wurden von Tier und Mensch gerne gegessen. Die Pflanzen hatten seit langer, langer Zeit dagegen einen Schutz entwickelt: Eine Art Geheimwaffe!

Sie hatten einen Wirkstoff erzeugt, der im Korn schlummert. Schon in der Zeit, in der das Getreide wächst, benutzen die Pflanzen sogenannte Fraßgifte, um sich vor Insekten und dergleichen zu schützen.

Diese Geheimwaffe der Pflanzen nennt man Lektine  und Phytinsäure.

Denn die Samen der Pflanzen sind schließlich ihre Kinder. Diese müssen vor Feinden gut geschützt werden. Das verstehen ja sofort alle Eltern, oder?

Einer von den Feinden, der nun an ihre Babys, an die Samen/Körner, heran wollte, war Bauer Hansen.  Ein weiterer Liebhaber der Körner, der generell auf Getreide, Hülsenfrüchte und Samen wartet, sitzt vielleicht lesend hier und genießt gerade nebenbei sein Brot, seinen Kuchen, seinen Döner oder seine Nudeln.

„Jaja, ich weiß genau, dass du jetzt eine Augenbraue hochgezogen hast!“

„Redest du mit mir?“

„Ja natürlich, mit wem denn sonst!“

Die kleine Elfe saß auf meinem Bildschirm und baumelte mit den Beinen. Ihre kleine Stirn war ganz runzlig vor lauter Falten, so sehr strengte sie sich an, ernst zu gucken. Ernst gucken allerdings konnte ich jetzt nicht mehr, sie sah so putzig aus. Ich lachte und dann fragte ich sie: „Wie kommst du denn hier auf meinen Bildschirm?“

„Da, durch das Tor“ sagte sie und zeigte auf meine Pflanzen im Fenster. „Ich bin gekommen, weil ich gesehen habe, dass du das für Quatsch hältst was ich gerade sagte!!“

„Wieso du sagtest? Ich habe hier geschrieben!“

„Genau, du hast hier geschrieben was ich dir diktiert habe...“

Mein verblüffter Gesichtsausdruck amüsierte die Elfe so sehr, dass sie vor Lachen vom Bildschirm purzelte.  Sie stand jetzt vor mir, was mich sogleich an Kapitän Hook und Tinkerbell erinnerte.

„Ich bin nicht Tinkerbell, ich heiße Amarandel! „

Statt sie zu fragen, wieso sie meine Gedanken lesen kann, fragte ich nach: „Am-Mandel?“

„NEIN, A..MA..RAN..DEL!!“

„Aha!“

„Der Vergleich zu Mandeln ist gar nicht verkehrt, denn ich LIEBE MANDELN!“ sagte sie.

Wir lachten jetzt beide und Amarandel flog direkt vor meinen Augen hin und her. Dann landete sie auf meinem Unterarm. Was ein verrücktes Gefühl, dachte ich.. „Wieso?“ fragte die kleine Elfe und hatte mir schon wieder einen Gedanken aus dem Kopf geklaut.

„Sag einmal, Amarandel, wieso kannst du mir Gedanken aus dem Kopf holen oder eingeben, wie den Text über das Getreide?“

„Ganz einfach, weil du an uns glaubst!“

Heute schien der Tag der Verblüffung zu sein! „Ok, nun sehe ich es vor mir, es gibt euch also wirklich! Allerdings, liebe kleine Elfe, ich möchte doch lieber das schreiben, was ICH denke!“

„Hahaha, der ist gut!“  lachte Amarandel und sagte fast oberlehrerhaft: „Wo du ja sooo viel Ahnung hast von der Welt der Pflanzen und Elfen?!!“

„Öhm – nun, ich bin doch recht belesen, kleine Elfe!“

„Könntest du bitte aufhören dauernd meine Größe zu betonen? Ich bin winzig und für dich vielleicht eine kleine Elfe. Ich bin groß in Geist und Herz und ich habe einen Namen! Ich sage ja auch nicht dauernd großes Menschenkind zu dir, sondern Leela!!“

„Gut, klei...äh, Amarandel! Du hast natürlich mehr Ahnung von eurer Welt und ich freue mich, dass du offenbar beschlossen hast, mir bei dem Text über die Unverträglichkeit von Getreide zu helfen!“, und ich lächelte die Elfe wohlwollend an. 

„Diese Menschen!! DU SCHREIBST EINEN TEXT und ICH HELFE DIR…jaja…schon klar..!“ erboste Amarandel sich und zog die Stirn wieder in Falten.

„Ok ok, also: schreibst DU wohl hier einen Text und ich sollte jetzt mal mit meinem Ego aus dem Weg gehen? Sehe ich das richtig?“ wollte ich sie versöhnen.

„Jipp!“ lachte sie und hob ihr Händchen hoch, um mir das so beliebte: Give me five abzuringen. Ein wirklich irres Gefühl, mit einer Elfe die Handflächen aneinander zu klatschen. Es flog Feenstaub in meine Nase, ich musste herzhaft niesen!

Und… Amarandel war weg.

Verwirrt rieb ich mir die Augen und überlegte, ob ich das vielleicht alles nur geträumt hatte. Ich bin ja bekannt für meine Fantasie, doch das hier? Das war echt gewesen, oder?

Ich las mir die Worte durch, die ich im Bildschirm als Text-Datei vor mir sah. Dann stand ich auf, ging zum Fenster, suchte überall die Elfe und fand: Nichts!

Um das Erlebte erst einmal zu verdauen, rief ich meinen Hund zum Spazieren gehen. Wir kamen an Wiesen und Feldern vorbei, die rings um unser Haus in der wunderbaren Landschaft weich eingebettet sind. Auf der anderen Seite des Dorfes lag ein Maisfeld, um das ich weiträumig herum gehen wollte. Chaya, mein Hund, sprang plötzlich erstaunt zur Seite und bellte irgendetwas im Maisfeld an.

„Ruf mal deinen Hund zurück!!“ vernahm ich eine mir nun bereits vertraute Stimme. Ich sah Amarandel auf einem Maiskolben sitzen und mich angrinsen.

„Ok! Chaya sieht dich! Ich sehe dich! Dich gibt’s also wirklich und du bist hier auf dem Mais! „ Ich zückte mein Handy, um ein Foto zu machen – was Amarandel amüsierte!  „Mach nur, mach nur!“ lachte sie und setzte sich in Pose. Auf dem Foto war: MAIS. Keine Elfe. Keine kleine Elfe, nur MAIS!

Nun gut. Sie saß ja hier vor mir und Chaya hatte sie ebenso entdeckt. so beschloss ich nun alle weiteren Fragen, ob es Amarandel nur in meiner Einbildung gibt, zu unterlassen.

„Amarandel, was willst du denn hier am Mais?“ fragte ich sie. Die Elfe flog von Maiskolben zu Maiskolben und erzählte mir etwas über den Maiszünzler, einen Schädling, und dass gegen diesen verschiedene Maßnahmen halfen.  Darum setzen manche  Bauern nur alle vier Jahre Mais auf demselben Feld an. Das nennt man „die Fruchtfolge einhalten“. Mais wird allerdings im konventionellen Anbau mit Pestiziden gespritzt oder die Maiskörner werden gebeizt. Das alles ist so schlecht für die Natur, die Böden, die Bienen und das Ökosystem, dass es einfach am besten sei, die Fruchtfolge einzuhalten. Amarandel dozierte und erklärte, dass mir der Kopf rauchte.

„Was möchtest du mir eigentlich genau sagen? Ich dachte, wir schreiben über Weizen?!“

„WIR? Aha, du hast es verstanden! Fein! Ok! Also, Leela, ich wollte dir nur ein Beispiel geben! Mais hat andere Fraßgifte als Getreide! Es gibt Lektine und Phytinsäure. Ein Fraßgift ist ein Gift, das über die Nahrung aufgenommen werden kann. Deshalb sollte man Mais nicht vom Feld stibitzen und essen... Wusstest du, dass er sogar wirklich ein wenig giftig ist?  In den Griffeln sind Gifte!“

„Griffel“, fragte ich? „Ein Griffel ist doch ein Schreibwerkzeug?“

„Ja, ein Griffel ist außerdem ein Schreibwerkzeug, das kenne ich von früher! Ein Griffel beim Mais, schau „.und Amarandel zeigte auf die braunen Härchen am Mais – „ist das hier! Zu all‘ diesen Geheimwaffen der ganzen  Pflanzen  kommen wir später.“ Und schon flatterte sie davon.

Daran musste ich mich wohl gewöhnen, dass sie so schnell weg war, die Elfe.

Zu Hause vergrößerte ich das Foto vom Maisfeld. Außer einem kleinen weißen Kreis war da wirklich nur MAIS zu sehen.

Als ich das Abendessen zubereitete, fiel mir eine Packung Mandeln in die Hände und ich dachte an die Elfe. Sie hatte gesagt, dass sie Mandeln liebt. Mandeln haben ebenfalls Enzym Hemmer, die sich ungünstig auf uns Menschen auswirkten. Auf  Elfen vielleicht nicht?

„Nein, auf uns Elfen nicht!“ brüllte mir Amarandel fast ins Ohr, weil sie direkt neben mir auf dem Schrank am Türgriff schaukelte.  „Wir nehmen von den Pflanzen eher nur die Energie, die sie uns schenken. Die Mandel gehört zu den Rosengewächsen und wir laben uns an den Blüten. Allerdings gibt es tatsächlich Elfen, die gerne eure Nahrung essen.“

„Kannst du nicht einmal vorher anklopfen, du Schreckgespenst? Ich bekomme ja fast einen Herzinfarkt, wenn du so unvermittelt auftauchst!“ sagte ich. Amarandel ließ sich nicht aufhalten: „Lass‘ uns lieber weiter vom Getreide reden!“



 Die Anmerkungen in den Fußnoten sind im Buch natürlich zu finden, ebenso wie weitere links und Informationen. Bezugsquellen und eine umfangreiche Literaturangabe.